
«UR-Musig»
Die Klanglandschaften der Innerschweiz und des Appenzells sind auf der EKWS-Archiv-Webseite öffentlich zugänglich.
Cyrill Schläpfers Musik-/ Dokumentarfilm «UR-Musig» aus dem Jahr 1993 hat die volksmusikalischen Klänge der Innerschweiz und des Appenzellerlands auf einzigartige Weise eingefangen. Schlüsselfiguren der Volksmusik wie der legendäre Schwyzerörgeler Rees Gwerder geben im Film Einblick in ihr Schaffen. In den letzten Jahren wurden Teile des Rohmaterials für den finalen Kinofilm mit Unterstützung der Albert Koechlin Stiftung umfassend digitalisiert. Die nun online zugängliche Sammlung konserviert die musikalische Identität einer ganzen Region.


Die Sammlung «SGV_1003 UR-Musig (Cyrill Schläpfer)» umfasst ca. 60% des Rohmaterials (Footage und Tonaufnahmen) der «UR-Musig»-Dreharbeiten aus den Jahren 1989 bis 1992. Das jetzt vorliegende Videomaterial, das rund zehn Stunden umfasst, enthält auch zahlreiche ungenutzte Szenen des Musikfilms (Outtakes), die nun erstmals für die Öffentlichkeit zugänglich sind. Es eröffnet einen unverstellten Blick auf die Drehsituationen, die Interaktionen zwischen den Musiker:innen und den Alltag der späten 1980er Jahre, der im finalen Kinofilm zugunsten der Dramaturgie verborgen blieb.
Die besondere kulturwissenschaftliche und ethnografische Relevanz dieser Sammlung ergibt sich aus der thematischen Breite des Musikmaterials: Schwyzerörgeli-Auftritte von Rees Gwerder und Ludi Hürlimann in Restaurants (SGV_1003F_00022), Konzerte von Streichmusiken (SGV_1003F_00142), Ad-hoc Formationen (SGV_1003F_00043), der Umzug für den Urnäscher Bloch mit Jauchzern und Blasmusikstücken (SGV_1003F_00013), Silvesterchläuse in Urnäsch AR, die Zäuerlen und ihre Rollen und Schellen schwingen (SGV_1003F_00001, SGV_1003F_00010), Rösy und Paul Hirschi aus dem Entlebuch (SGV_1003F_00092), die jungen Geschwister Gwerder aus dem Ried/ Muotathal, die vor und in ihrem Geissstall juuzen und singen (SGV_1003F_00156), Sennen und Hirten, die im Alpstein mittels Holztrichter den Bann- und Betruf schreien, um alle Lebewesen vor den Gefahren der Nacht zu bewahren (SGV_1003F_00054).
Hier einige visuelle Einblicke ins breite thematische Spektrum des Musikmaterials:
Originale und Digitalisierung

Die Filmaufnahmen entstanden in den Jahren 1989 bis 1992 auf 16-mm Film, während der Ton im MS- und LR-Stereoverfahren separat auf DAT-Kassetten aufgezeichnet wurde. Nachdem bereits 1993 ein Grossteil des original Filmnegativs auf analoges Video abgetastet worden war, erfolgte 2020 eine umfassende Digitalisierung der Videotapes und Audiokassetten. Die acht 1993 abgetasteten Videotapes wurden digitalisiert, während die 100 DAT-Kassetten auf feste Datenträger transferiert wurden. In einem weiteren Schritt wurde das Bildmaterial 2021 farbkorrigiert und mit dem Originalton synchronisiert.
Übernahme und technische Aufbereitung
Mit der Digitalisierung des Filmmaterials kann es nun einem breiten Publikum online zugänglich gemacht werden. Voraussetzung hierfür war eine inhaltliche Erschliessung des Materials, worin das EKWS-Archivteam langjährige Erfahrung vorweisen kann. Ende 2024 übergab Urheber Cyrill Schläpfer dem EKWS-Archiv das «UR-Musig»-Material in Form von acht digitalen Containerdateien. Birgit Huber und Fabienne Lüthi bereiteten das Filmmaterial für dessen Erschliessung in der DSP-Datenbank des DaSCH (Swiss National Data and Service Center for the Humanities) vor. In enger Abstimmung mit Cyrill Schläpfer wurden die Containerdateien in 160 einzelne Videoclips (mp4) unterteilt. Die Schnittführung orientierte sich dabei strikt an den ursprünglichen Filmklappen und inhaltlichen Zäsuren. Weitere Bearbeitungen wurden nicht vorgenommen. Die Reihenfolge der Clips wurde beibehalten, und die Signaturvergabe erfolgte chronologisch; sie orientiert sich an der Abfolge der Clips innerhalb der ursprünglichen Containerdateien.

Erschliessung

Nach der technischen Aufbereitung erschlossen Birgit Huber und Fabienne Lüthi die Filmdaten. Als Grundlage dienten Begleitdokumente, die Cyrill Schläpfer zur Verfügung stellte. Diese enthielten Informationen zu den gefilmten Szenen, Tabellen mit Zeitmarkern sowie Angaben zu Filmklappen und Drehprotokollen.
Folgende Aspekte wurden zwischen Januar und September 2025 detailliert erfasst:
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Inhalt und Kontext: Personen, Orte und Szenen wurden identifiziert, inhaltlich beschrieben und mit Schlagworten versehen.
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Technische Metadaten: Angaben zu Filmmaterial (z.B. Kodak-Typen), Tonverfahren (sync/nicht sync) und Aufnahmesituationen (Filmrollen- und Tonspurnummern) wurden für jeden Clip hinterlegt.
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Tontechnische Informationen zu den Aufnahmeverfahren und Mikrofonie (L-R-Stereo, M-S Stereofonie oder Mono, Spezifikationen zu den Aufnahmegeräten und Mikrofonen).
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Verknüpfungen: Auf Basis der rekonstruierten Drehtage wurden die Clips als «Events» in der Datenbank vernetzt. Alle beteiligten Akteure (Regie, Kamera, Ton) sowie die gefilmten Personen und Musikgruppen wurden als «Agents» erfasst und mit den entsprechenden Clips verknüpft. Einige Angaben wurden durch vertiefte Recherchen ergänzt.
Dank der grosszügigen finanziellen Unterstützung der Albert Koechlin Stiftung sind heute ca. 60% der «UR-Musig»-Aufnahmen sowie die dazugehörigen Metadaten über die EKWS-Archiv-Website öffentlich zugänglich. Die EKWS lädt herzlich dazu ein, die Klanglandschaften der Innerschweiz und des Appenzellerlandes auf einer musikalischen Reise durch die Online-Sammlung zu erkunden!

Technische Angaben
Bereits 1993 übertrug Schläpfer geschätzte 60% des ungeschnittenen Filmnegatives auf analog Betacam SP Video. Diese im Jahr 1993 abgetastete PAL Bild wurde 2021 digitalisiert und in einem weiteren Schritt auf HD-Qualität skaliert, farbkorrigiert und mit dem unbearbeiteten Ton synchronisiert.
Die acht Betacam SP Videotapes wurden mit einem Sony DVW-A500 Digital Betacam Recorder und einer Blackmagic Design Decklink Karte digitalisiert. Die 60 Audiokassetten wurden mit einem Fostex D-15 und einem Audio Interface von RME transferiert.
Der Film wurde zwischen 1989 und 1992 auf 16mm Kodak Filmnegativ und der Originalton mit einem portablen Technics SV-260A DAT Recorder in MS- und LR-Stereofonie aufgenommen.






