Das 3,5-Grad-Ziel

23. März 2026

In der Zeichentheorie lernt man, dass auch ein abwesendes Zeichen zur Konstruktion von Bedeutung beiträgt: Auch eine Leerstelle bezeichnet etwas. Seit Anfang Februar komme ich tagtäglich auf meinem Arbeitsweg an solch einer bedeutungsvollen Leerstelle vorbei – der wohl am stärksten politisch aufgeladenen und umstrittenen Absenz Wiens. 

Bei der U-Bahn-Haltestelle Stubentor, auf einem gut von der Ringstrasse einsehbaren Platz, ist nun eine Baustelle. Dort stand, auf einem mehrfach gestuften Sockel, von Reliefs und massiven Marmor-Figuren gesäumt, bis Ende Januar die überlebensgrosse Bronze-Statue von Karl Lueger, ehemaliger Wiener Bürgermeister von 1897 bis 1910. 

Sockel und Statue wurden entfernt, um zunächst von Beschmierungen gereinigt und restauriert zu werden, dann im Sommer wieder aufgestellt zu werden. Nach einem Entwurf des Künstlers Klemens Wihlidal werden sie dabei um 3,5 Grad geneigt. Damit findet ein langwieriger und kontroverser Prozess seinen (vorläufigen?) Abschluss, der vor über 15 Jahren begann und an dem sich mehr als 100 Jahre Wiener Stadtgeschichte sichtbar machen lassen. 

Foto: Samuel Winter

Populist, Antisemit, Inspiration für Hitler

Karl Luegers Amtszeit als Bürgermeister wird oft als «eine Periode der Expansion» [i] und Modernisierung beschrieben: Die Eingemeindung von Orten jenseits der Donau liess die Fläche der Stadt deutlich zunehmen; der Bau des Gaskraftwerks Simmering und die Kommunalisierung der Elektrizitätskraftwerke machte die Stadt in wichtigen Bereichen des Service Public unabhängig; seine Sozialpolitik bedeutete eine Abkehr vom Liberalismus und orientierte sich an der katholischen Soziallehre – ohne jedoch den katastrophalen Lebensbedingungen der Wiener Armen und Arbeiter:innen wirklich Abhilfe verschaffen zu können. [ii]

Heutzutage verbindet man mit Karl Lueger jedoch weniger seine Politik, sondern seinen Politikstil. Die Historikerin Elisabeth Heimann-Leitner bezeichnet Lueger als einen «Politiker von neuem Stil» und einen «wortgewaltige[n] Demagoge[n]» [iii]. Er gilt vielfach als Erfinder des Populismus, denn er hatte verstanden, dass man sich mit antisemitischen Feindbildern sowie der Ausgrenzung von Minderheiten die Macht sichern konnte. Lueger inszenierte sich als besonders volksnah und behauptete seine Sorge für die Anliegen des «einfachen Volks», die er insbesondere gegen Jüd:innen und nicht-deutsche Bevölkerungsgruppen der Doppelmonarchie zu verteidigen vorgab. Oft wird Luegers Antisemitismus damit relativiert, dass er ihn lediglich strategisch eingesetzt habe und er persönlich gar keine antisemitischen Ressentiments gehegt hätte. Zwar forderte er eine Entrechtung der Jüd:innen, ihre rechtliche Stellung verschlechterte sich aber in seiner Amtszeit nicht. Er trug aber mit seiner hasserfüllten Rhetorik zu der antisemitischen Stimmung bei, die später auch die begeisterte österreichische Beteiligung an der Shoah ermöglichte. 

Schon zu Lebzeiten und bereits vor seiner Amtszeit als Bürgermeister bildete sich ein Personenkult um Lueger, an dem er mit der Inszenierungsweise seiner Politik und Person entscheidend mitwirkte. Lueger setzte «eine für einen Stadtpolitiker neuartige Bildpropanda und Vermarktung» [iv] ein: «Wie keiner seiner Amtskollegen vor oder nach ihm liess er sich in ungeahnter Vielzahl abbilden – neben dem Kaiser zählte er zu den meistporträtierten Personen seiner Zeit.» Es wurde massenhaft zeitgenössischer Lueger-Kitsch produziert: Sein Gesicht fand sich auf Münzen und Tassen, ein Brot wurde nach ihm benannt, Eduard Nerradt komponierte einen Lueger-Marsch, der bei seinen Veranstaltungen gespielt wurde. Mit seinem auf Ausgrenzung, Volkstribun-Rhetorik und persönliche Überhöhung setzendem Politikstil war Lueger Vorbild Hitlers – er rühmte ihn in Mein Kampf als den «gewaltigsten deutschen Bürgermeister aller Zeiten» [v] – und ein Vorvater des Austrofaschismus. 

Kontinuitäten der Verehrung

Angesichts des Personenkults um Lueger verwundert es nicht, dass direkt nach seinem Tod im Jahr 1910 die Planungen für ein repräsentatives Denkmal begonnen haben. Eine Auswahl der mehr als 50 Entwürfe wurde zur finalen Begutachtung im Gartenpalais Schönborn in der Laudongasse ausgestellt [vi] – vielen Leser:innen als Standort des Österreichischen Museums für Volkskunde bekannt. Gewonnen hat der Entwurf von Josef Müllner (1879 – 1968). Auch wenn er heutzutage weitgehend vergessen ist, galt der relativ junge Müllner zur Zeit der Entstehung des Denkmals als «einer der vielversprechendsten Bildhauer seiner Generation in Österreich» [vii].

Foto: Samuel Winter

Ursprünglich sollte das Denkmal auf dem Rathausplatz errichtet werden, der bereits 1907 nach Karl Lueger benannt wurde. Da sich das Aufstellen des Denkmals – ursprünglich für 1917 geplant – verzögerte, hatten sich inzwischen die Kräfteverhältnisse in Wien geändert. Das Rote Wien wollte dem antisozialistischen Lueger keinen so repräsentativen Ort widmen, weshalb die Statue dann 1926 am Platz am Stubentor errichtet wurde, der nach Karl Lueger benannt wurde. Der Rathausplatz erhielt seinen alten Namen zurück – bis er dann von 1938 bis 1945 erneut umbenannt wurde, nämlich nach dem grossem Bewunderer Luegers, Adolf Hitler. 

Andreas Nierhaus bezeichnet das Denkmal als einen «monumentale[n] Anachronismus» [viii]. Entworfen im späten Kaiserreich, weitgehend umgesetzt während des Ersten Weltkriegs und letztlich errichtet in der Ersten Republik, waren einzelne Elemente – insbesondere die Reliefs und Figuren auf dem Sockel – ästhetisch durchaus anschlussfähig an sozialdemokratische Vorstellungen von Repräsentation. Müllners politische Positionen passten hingegen nicht in die veränderten Zeiten, er blieb ein überzeugter Deutschnationaler. Sein 1923 aufgestellter «Siegfriedskopf» [ix] wurde als Gefallenendenkmal von der antisemitischen Deutschen Studentenschaft in Auftrag gegeben und diente bis zu seiner Versetzung und Kontextualisierung im Jahr 2006 als Treffpunkt deutschnationaler, rechtsradikaler Burschenschaften. 1940 wurde Müller Mitglied der NSDAP, 1944 wurde er in die so genannte «Gottbegnadeten-Liste» des NS-Regimes aufgenommen, zahlreiche seine Schüler zählten zu den einflussreichsten Bildhauern des Nationalsozialismus, etwa Josef Thorak. 

Nachdem der Lueger-Kult im Roten Wien etwas nachgelassen hatte, kam es im austrofaschistischen Ständestaat ab 1934 zu einer «Renaissance» [x], in der die Lueger-Zeit verklärt wurde. Auch in der Zweiten Republik wurde (und wird teilweise bis in die Gegenwart) Lueger als «verdienter Stadtgestalter» [xi] geehrt. Erst in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre, als der österreichische «Opfermythos» [xii] zunehmend in Frage gestellt wurde, eröffnete sich langsam Raum für einen kritischeren Blick auf Lueger. Bis sich dieser aber auch materiell im Stadtraum niederschlagen sollte, sollte es aber noch bis in die späten 2000er Jahre dauern. 

Kann das weg?

Die Frage, wie man mit Statuen umgehen soll, die an problematische Personen – Männer, in den allermeisten Fällen – erinnern, wird seit vielen Jahren heftig geführt. Zuletzt stand dabei insbesondere die Kritik an postkolonialen und rassistische Kontinuitäten im Stadtraum im Mittelpunkt der Debatte. Ein viel beachtetes Ereignis war der «Denkmalsturm» [xiii] von Bristol, als Demonstrierende eine Statue des Sklavenhändlers Edward Colston in den Fluss Avon geworfen haben. In der Kritik stehen auch problematische Strassennamen, wie die M*-Strasse in Berlin, die erst 2025 auch unter Beteiligung von Kolleg:innen des Berliner Instituts für Europäische Ethnologie in Anton-Wilhelm-Amo-Strasse umbenannt wurde [xiv]

Auch die Schweiz hatte zuletzt einige Umbenennungsdebatten um das rassistische M*-Wort im öffentlichen Raum: Die Berner Zunft zur Schneidern [xv] entfernte es 2022 aus ihrem Namen und eine entsprechende Darstellung aus ihrem Wappen (eine stereotypisierende Figur an der Fassade des Zunfthauses ist jedoch geblieben). Die Kontroverse um die Zürcher M*-Häuser [xvi] zeigt deutlich, dass die Frage, wie mit historischen Repräsentations- und Benennungspraktiken im öffentlichen Raum umgegangen werden soll, keineswegs harmlos sind. 

Konservative Kulturkampf-Rhetorik verunglimpft die Problematisierung von Strassennamen und Denkmälern als eine neuartige, ‹woke› Sensibilität. Tatsächlich ist die Auseinandersetzung darum, welche Personen und Ereignisse im öffentlichen städtischen Raum repräsentiert werden, schon immer Teil politischer Auseinandersetzung gewesen. Strassennamen und Statuen sind, so hat es der italienische marxistische Philosoph Antonio Gramsci bereits in den 1920er geschrieben, «materielle Struktur der Ideologie» und somit Teil der Auseinandersetzung um kulturelle Hegemonie. [xvii]

Für den Umgang mit den problematischen Überbleibseln der Geschichte gibt es verschiedene Varianten: das Entfernen (durch Abriss oder Umbenennung), die De-/Re-Kontextualisierung durch künstlerische, bauliche o.ä. Intervention, eine kritische Kommentierung oder, immer noch häufig, das Beibehalten des problematisierten Objekts und Ignorieren der Kritik. Mit Blick auf Luegers Präsenz im Stadtraum sind alle Varianten vorgekommen. 

Der nach ihm benannte Teil der Ringstrasse ist bereits 2012 in Universitätsring umbenannt worden, eine relativ schmucklose Brücke im 14. Wiener Gemeindebezirk Penzing hingegen erst 2024 nach der Historikerin Hannelore Burger. Die Umbenennung des Lueger-Platzes am Stubentor lässt weiter auf sich warten, obwohl er bereits 2013 von der Kommission zur Prüfung der Wiener Strassennamen in die Kategorie A, «Fälle mit intensivem Diskussionsbedarf», sortiert wurde. Die Luegereiche im Rathauspark wurde 2014 gefällt. Am Lueger-Denkmal wurde 2016 eine Tafel angebracht, die eine kritische Kommentierung gewährleisten sollte, Lueger aber immer noch sehr wohlwollend bewertet und gar nicht auf den nationalsozialistischen Hintergrund Müllners eingeht. Die Frage, wie mit dem massiven Denkmal selbst umzugehen sei, war die kontroverseste und langwierigste. 

Statt eines Denkmalsturzes

Im März 2009 gründete sich im Umfeld der Universität für Angewandte Kunst ein «Arbeitskreis zur Umgestaltung des Lueger-Denkmals in ein Mahnmal gegen Antisemitismus und Rassismus in Österreich», der im Dezember 2009 einen Open Call für Entwürfe lancierte. Wie der Name deutlich macht, setzte sich der Arbeitskreis für eine Umgestaltung des Denkmals, keinen vollständigen Abriss. Eine vollständige Entfernung wurde als ein Verschweigen problematischer Geschichte gedeutet. Massgabe war also eine Strategie der De- bzw. Rekontextualisierung der Statue. Aleida Assmann, Mitglied der Jury, argumentiert in der der Broschüre zum Open Call, eine «Distanzierung von Lueger sollte nicht zu einer Beseitigung seiner Statue führen, weil dann mit dem Stein des Anstoßes zugleich auch die Geschichte entsorgt wäre.» [xviii] Eine «völlige Entfernung», so argumentiert auch der Kulturjournalist Matthias Reichelt an gleicher Stelle, wäre «falsch und würde eine Chance für eine dialektische Aufklärung und einen eventuellen Lernprozess verschenken.» [xix]

Auf den Call erhielt der Arbeitskreis 220 Einreichungen, mehrheitlich aus Österreich, aber auch viele internationale. Die Jury wählte den Entwurf «Schieflage» des Wiener Künstlers und Musikers Klemens Wihlidal aus. Dieser sieht es vor, die Statue samt Sockel um 3,5° zu kippen. Wihlidal schreibt in seinem Entwurf, er wolle nicht das Denkmal ändern, sondern die Perspektive darauf. Die Ehrwürdigkeit soll gebrochen, Irritation und «ein vage[s] Gefühl von Vergänglichkeit und Unbeständigkeit» [xx] ausgelöst werden. Der Neigungsgrad selbst hat keine spezifische Bedeutung, sondern entstammt einer ästhetischen Überlegung Wihlidals: «3,5 Grad haben für mich die brutalste Aussagekraft» [xxi]. Die Schieflage verweise, so erklärten die Mitglieder des Arbeitskreises, auf die Unsicherheit und den problematischen Umgang der Stadt mit Lueger. 

Die Stadt reagierte zunächst ambivalent auf den Vorschlag und die Umsetzung scheiterte an Gründen des Denkmalschutzes. Unter dem Eindruck der internationalen Debatten zur Black Lives Matter Bewegung und Ereignissen wie dem Denkmalsturz von Bristol, flammten die Proteste gegen das Lueger-Denkmal erneut auf – der Presseservice Wien hat eine umfassende Dokumentation der Proteste veröffentlicht. Im Sommer 2020 wird mehrfach das Wort Schande auf den Sockel gesprüht, im Oktober desselben Jahres halten Aktivist:innen verschiedener antifaschistischer und jüdischer Gruppen eine mehrtägige «Schandwache». 

Foto: Samuel Winter

Im Jahr 2022 gab es aufgrund des Drucks durch die Proteste wieder einen Wettbewerb, diesmal von der Stadt selbst ausgehend. Zu diesem wurden 15 nationale und internationale Künstler:innen eingeladen, darunter auch Klemens Wihlidal, dessen Entwurf sich erneut bei der Jury durchsetzen konnte. Nachdem sich die ursprünglich für 2025 geplante Umsetzung aus technischen Gründen verzögerte, soll das 3,5-Grad-Ziel im Sommer 2026 – genau 100 Jahre nach der ursprünglichen Errichtung des Denkmals – erreicht werden. 

Österreichische Hauntology

Foto: Presseservice Wien

Wihlidals Entwurf ist nicht unumstritten. Wenig überraschend ist, dass die FPÖ und die rechtsextremen Gruppen und Burschenschaften, für die das Denkmal ihres Gesinnungsgenossen Lueger regelmässiger Treffpunkt gewesen ist, wenig begeistert sind. Aber auch von demokratischer und antifaschistischer Seite gibt es viel Kritik daran, dass das Denkmal im Wesentlichen unangetastet bleibt. So brachten etwa jüdische Aktivist:innen in der Nacht auf den 27. Januar 2024 am Denkmal und am Strassenschild des Lueger-Platzes nachgedruckte Strassenschilder an, die eine symbolische Umbenennung in «Platz der gescheiterten Erinnerungskultur» vornahmen. Am selben Datum zwei Jahre später verhüllten sie das bereits eingerüstete Denkmal mit schwarzer Folie und einem Transparent mit der Forderung «ABREISSEN | לפרק». 

Foto: Presseservice Wien
Foto: Presseservice Wien

Selbstverständlich: Die Schieflage der Statue ist eine Irritation des Blicks auf Lueger. Es macht den Blick auf die Statue weniger selbstverständlich, lädt unter Umständen zum Nachfragen ein. Und doch haben die Künstlerin Barbara Holub und der Urbanist Paul Rajakovics recht, wenn sie kritisieren: «Denkmale zu stürzen entspricht nicht unbedingt der österreichischen Seele. Hier kippt man lieber ein Denkmal um 3,5°, um es nicht stürzen zu müssen.» [xxii]

Das Kippen ist ein arretierter Denkmalsturz, eine angedeutete Aufarbeitung, in der die Möglichkeit, das Denkmal wieder um 3,5 Grad in die andere Richtung zu bewegen, immanent ist. Mathias Reichelt lobt im Kontext des ersten Wettbewerbs genau diese Prozesshaftigkeit von Wihlidals Entwurf: «Je nach Entwicklung der gesellschaftlichen Verhältnisse könnte das Denkmal endgültig gestürzt werden oder bei einer Rehabilitierung Luegers wieder eine völlige Aufrichtung erfahren.» [xxiii] Was ein absurder Gedanke, die Rehabilitierung Luegers als positiver Denkmöglichkeit in die Dekontextualisierung des Mahnmals aufzunehmen! In Zeiten, in denen der Antisemitismus wieder zunimmt [xxiv] und die autoritäre Rechte an Stärke gewinnt, drohen eben solche gesellschaftlichen Verhältnisse in der nahen Zukunft. 

Die Wiener Angst vor dem Denkmalsturz wird oft damit begründet, dass man damit Geschichte unsichtbar machen würde, ihre schlechten Seiten dem Vergessen anheim geben würde. Diese Formulierung ist inzwischen ein weitgehend bedeutungsloser Allgemeinplatz geworden, mit Blick auf das Lueger-Denkmal ist sie jedoch grob verzerrend: Ist es nicht umso mehr ein Vergessen-machen von Geschichte, die Spuren jahrzehntelangen Protests und den Einspruch betroffener Gruppen ungesehen zu machen, indem man die Statue eines antisemitischen Hetzers zunächst reinigt und restauriert, um sie dann – minimal dekontextualisiert – erneut in der Stadt sichtbar zu machen? Im Festhalten an der Statue steckt vielleicht insgeheim doch ein verstecktes kollektives Begehren, sie irgendwann wieder aufrichten zu können und die eigene historische Schande vergessen zu können. 

Es gibt einen kitschigen Lueger-Schlager von 1932 (den man heute fast nur noch als Parodie wahrnehmen kann, der aber nicht so gemeint war), in dem sich ein Kleinbürger über die republikanische Gegenwart beschwert und sich an die gute alte Zeit zurückerinnert. Sein persönlicher Höhepunkt war es, dass ihm der «Dr. Lueger einmal die Hand gereicht» [xxv] hat. Der Wiener Liedermacher Ernst Molden lässt diese Geste in einem Song von 2010 von Luegers Geist [xxvi] wiederholen. Molden beschwört eine spezifisch österreichische Hauntology: Luegers Geist geht um in Wien und will uns immer noch die Hand reichen. 

Zitation

Maximilian Jablonowski, Das 3,5-Grad-Ziel, in: das.bulletin, 23.03.2026, URL: https://ekws.ch/de/bulletin/post/das-3-5-grad-ziel.

Maximilian Jablonowski

Maximilian Jablonowski ist Kulturwissenschaftler und arbeitet an der Universität Wien. Beruflich wie in seiner Freizeit interessieren ihn Popkultur, urbanes Leben und visuelle Medien. Er forscht zu schweizerischer und österreichischer Popgeschichte, mit besonderem Augenmerk auf Musikvideos.
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